"(...) Zum Leben in einer Gesellschaft gehört eine Idee von Normalität, die man beim Handeln immer bis zu einem gewissen Grade unterstellt. Vertrauen ist in diesem Sinne der Grund sozialen Zusammenhalts. Mein Vertrauensbegriff ist ein sehr minimalistischer. Sie können nicht stets alles für möglich halten, sonst werden Sie verrückt. Zum Handeln gehört die Voraussetzung von Normalität, von Wahrscheinlichkeiten. Das heißt nicht, dass Sie die Welt, in der wir leben, angenehm oder für moralisch gerechtfertigt halten müssen, und so weiter. Aber Sie können - Sie müssen - sich in ihr bewegen. Die große Bedeutung des Werks von Kafka besteht unter anderem darin, zu beschreiben, was mit jemandem passiert, der sich plötzlich in einer Welt wiederfindet, wo er diese Normalitätsunterstellungen nicht machen kann. Er versucht stets, ein neues Bild der Welt, mit der er konfrontiert ist, zu entwerfen, eine neue Art von Normalität zu unterstellen, aber er scheitert."
Jan Philip Reemtsma, in: die tageszeitung - 24. November 2012
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„Besonders gefährlich ist, dass sich die provinzielle Selbstgenügsamkeit mit Motiven des alten antiwestlichen, das heißt antipolitischen und antiparlamentarischen Ressentiments verbindet.“
Karl Heinz Bohrer „Projekt Kleinstaat“ in: MERKUR – Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken, Nr. 747, August 2011 S.668-669 http://www.volltext.online-merkur.de/
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"Kein Diskurs hat sich des Misstrauens gegenüber der Veränderung angenommen. Es verschwindet nach und nach aus der Privatsphäre, wie auch aus der politischen und intellektuellen Szene. (...) ´Neu´ bedeutet jetzt ´besser´. Niemand beruft sich auf das ´bereits Vorhandene´ gegen das ´Noch-Nicht´. (...) Stets will man die Dinge bewegen und Menschen mobilisieren. In unserer Gesellschaften wird nicht mehr die Erfahrung geehrt, sondern die Aufregung (...)."
Alain Finkielkraut über ´Die Respektlosigkeit der Lebenden´ in: Die Undankbarkeit, München 2001 (orig. Paris 1999), S. 115/116
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"Der von Lessing durch die Figur des Nathan propagierte Toleranzgedanke erweist sich so besehen als zweischneidig. Denn am Schluss des Dramas bleibt gerade Nathan außerhalb des Kreises der Versöhnung aller mit allen. Im Angesicht der Lösung, die er selbst herbeigeführt hatte, steht er kinderlos und ohne Zukunft auf der Bühne. Die Menschheit findet ohne die Juden statt."
Dan Diner Vorwort in: Jakob Hessing "Verlorene Gleichnisse - Heine Kafka Celan", in: toldot - Essays zur jüdischen Geschichte und Kultur, Bd. 10 - Göttingen 2011, S. 7
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"Wir werden damit leben müssen, dass dieser Konflikt ein unlösbarer Konflikt ist. Das ist ganz klar. Das hört sich furchtbar an, weil man in einer aufgeklärten Welt daran glauben muss, dass jeder Konflikt lösbar sein muss. Aber ich denke, dass das einer der Konflikte ist, die vielleicht gemanagt werden können, die mal gewaltvoller und mal gewaltloser sein können, aber lösen in dem Sinn, dass Israel und Palästina so wie Deutschland und Frankreich sein können - ich glaube nicht, dass das je zustande kommt."
Natan Sznaider über Desillusionierungen in Israel am 25. Dezember 2010 in Deutschlandradio Kultur
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„Wir wissen heute, eine wie konvertible Währungseinheit das Schicksal der Juden im politischen Geschäft geworden ist. Wenn alle Gewalt seit Hitler unweigerlich die Namen der Henker und die Stätten der Vernichtung heraufbeschwört, wenn von Südamerika bis in die Sowjet-Union die Verbrechen der Herrschenden unwillkürlich an die Nazikatastrophe erinnern, dann gilt umgekehrt, daß die Opfer keine Erben haben. Alles andere ist Indienstnahme.“
Aus Eike Geisel in DER SPIEGEL, Nr. 17 – 26. April 1982 in einer Besprechung des Buches von Alain Finkielkraut „Der eingebildete Jude“.
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„I can´t make peace with one who denies my right to exist“
Oliver Sacks – Oberrabiner im Vereinigten Königreich Großbritannien in einer Rede am 4. Mai 2011 vor dem britischen House of Lords.
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"Nationale Identität der Deutschen nach Auschwitz? Es ist zu vermuten, dass die Realisierungsabsicht dieser Sehnsucht sich an der absoluten Schranke Auschwitz stoßen wird, mit dem Ergebnis, dass Auschwitz nicht nur in seiner Bedeutung als massenhafter Judenmord, sondern auch als Zivilisationsbruch beiseite geschoben oder durch Historisierung abgetan werden wird. Die Tendenzen, die in eine solche Richtung weisen, sind unübersehbar."
Dan Diner, Negative Symbiose in: BABYLON - Beiträge zur jüdischen Gegenwart, Heft 1 - 1986, S.19